Lebensgefahr im Wasser: Ein Schwimmer erzählt von seinem Kampf gegen die Strömung
Es war ein lauer Sommerabend am Unisee, als Carsten Mües, ein aktiver 53-Jähriger aus Horn, sich entschloss, seine Bahnen zu ziehen. Er war fit, das DLRG-Bronzeabzeichen prangte stolz in seiner Schwimmertasche und seine täglichen 30 Kilometer auf dem Rad sorgten dafür, dass er sich wohl in seiner Haut fühlte. Doch an diesem 21. Juni, um 18:30 Uhr, sollte alles anders werden. Nach ungefähr 15 Minuten im Wasser geriet er plötzlich in eine Unterströmung, die ihn in Lebensgefahr brachte.
Die ersten Minuten waren geprägt von Panik. Trotz seiner Erfahrung konnte er nicht mehr zurück zum Ufer schwimmen. „Ehrlich gesagt, ich hab mich geschämt, um Hilfe zu rufen“, erinnert sich Mües. Er wollte nicht wie ein Anfänger wirken, aber die Erschöpfung ließ ihn kaum noch atmen. Schließlich, als er kaum noch Luft bekam, rief er laut um Hilfe. Die Minuten dehnten sich wie Kaugummi, während er gegen die Strömung ankämpfte. Nach gefühlten Ewigkeiten erschien ein Stand-up-Paddler, der ihm zur Seite sprang und ihn schließlich sicher ans Ufer brachte.
Helfende Hände und besorgte Zuschauer
Am Ufer warteten bereits 50 bis 60 Menschen, die besorgt zusahen. Einige hatten ähnliche Erfahrungen gemacht und diskutierten über die Gefahren von Strömungen. „Ich hab mir sofort eine aufblasbare Schwimmboje besorgt und plane nur noch in Begleitung zu schwimmen“, erzählt Mües, der sich für die Hilfsbereitschaft der Retter unendlich dankbar zeigt. „Ohne die hätte ich das nicht geschafft.“
Die DLRG warnt nicht ohne Grund vor den Gefahren in offenen Gewässern. Im Juni allein gab es bundesweit mindestens 99 Badetote, viele aufgrund von unterschätzten Strömungen. Ute Vogt, die Präsidentin der DLRG, hat bereits im Jahr 2022 festgestellt, dass es insgesamt 393 Ertrinkungsfälle in Deutschland gab – ein besorgniserregender Trend, der sich mit den steigenden Temperaturen in den Sommermonaten verknüpft. An einem einzigen Wochenende im Juni ertranken 15 Menschen, während die Sonne vom Himmel brannte.
Unsichtbare Gefahren und notwendige Vorsicht
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird, ist die Strömungsgeschwindigkeit, die in ufernahen Bereichen zwischen 4 und 8 km/h liegen kann. Da hilft auch die beste Schwimmtechnik nichts, wenn man die Kraft des Wassers unterschätzt. Sportpsychologe Jens Kleinert beobachtet zudem, dass viele Menschen ihre eigenen Fähigkeiten nicht mehr richtig einschätzen können, insbesondere Männer und Jungen, die häufig zu optimistisch sind, was ihre Schwimmkünste betrifft.
Die Infrastruktur für Schwimmunterricht hat in den letzten Jahren gelitten. Jährlich verlassen 500.000 Kinder in Deutschland die Grundschule ohne die nötigen Schwimmkenntnisse, was die Situation nicht gerade verbessert. Die Corona-Lockdowns haben die Lage verschärft, und viele Hallenbäder sind nicht mehr zugänglich. In Städten wie Strausberg gibt es nur ein einziges öffentliches Hallenbad, was den Zugang zum Schwimmen äußerst schwierig macht.
In Anbetracht all dieser Faktoren wird klar, dass die Gefahren beim Baden nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten. Carsten Mües hat seine Lektion gelernt und möchte, dass andere aus seiner Erfahrung schöpfen. „Ich werde nie wieder allein schwimmen“, sagt er nachdenklich. Und das ist wohl der wichtigste Gedanke, den man aus diesem schicksalhaften Abend mitnehmen kann.
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