Finanzkrise und Kundenfrust: Schwäbisch Gmünds Stadtwerke am Rande des Abgrunds
In Schwäbisch Gmünd brodelt es gewaltig – und das nicht nur wegen der sommerlichen Temperaturen. Die Stadtwerke, unter dem wachsamen Auge von Oberbürgermeister Richard Arnold, stehen vor einem gewaltigen finanziellen Dilemma. Wie die Gmünder Tagespost berichtet, müssen die Stadtwerke jährlich satte 651.000 Euro an ihren Minderheitsgesellschafter EnBW ODR abführen. Das klingt nach viel Geld – und das ist es auch. Arnold, der seit kurzem auch Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke ist, wollte den Ergebnisabführungsvertrag (EAV) kündigen. Doch der Gemeinderat hat in einer nicht-öffentlichen Sitzung am 24. Juni diesen Vorschlag abgelehnt. Ein kluger Schachzug oder doch ein mutiger Fehltritt?
Die Stadtwerke sind finanziell angeschlagen. Ein Rückgang der Ertragskraft ist seit 2024 zu beobachten, und das Ergebnis vor Steuern ist von 4,4 Millionen Euro im Jahr 2023 auf nur noch 2,17 Millionen Euro im Jahr 2024 gefallen – und das entspricht einem Rückgang um 51%. Für 2025 wird ein Verlust von 3 Millionen Euro erwartet, während die Stadt für 2026 hofft, die schwarze Null zu erreichen. 2027 könnte es dann wieder aufwärtsgehen mit einem Gewinn von rund 2 Millionen Euro vor Steuern. Die geplante Kündigung des EAV könnte jedoch Risiken mit sich bringen, wie mögliche Reaktionen der EnBW ODR und Auswirkungen auf zukünftige Konzessionsrechte.
Kritik und Unmut der Kunden
Doch die Probleme der Stadtwerke sind nicht nur finanzieller Natur. Immer wieder gibt es Beschwerden von Kunden über verspätete oder gar falsche Abrechnungen. Hunderte Kunden warten auf ihre Rechnungen für Strom, Wasser, Abwasser und Gas aus dem Jahr 2024. Das hat in den letzten fünf Jahren dazu geführt, dass 7.500 Kunden das Unternehmen verlassen haben. Man fragt sich, wie lange das gutgehen kann. In sozialen Netzwerken äußern Bürger ihren Unmut über die Stadtwerke, und die Stadt selbst bleibt auf SWR-Anfrage stumm.
Die Situation spitzt sich zu – am 13. November wurde die Trennung vom Geschäftsführer der Stadtwerke bekannt gegeben. Der Verwaltungs-, Wirtschafts- und Finanzausschuss des Gemeinderats wird sich in einer nichtöffentlichen Sitzung mit der Personalie des Geschäftsführers beschäftigen. Ein Schritt, der vielleicht längst überfällig war, aber die Frage bleibt: Wer wird die Verantwortung für diese Misere übernehmen? Der Geschäftsführer wurde um Stellungnahme gebeten, doch bis Dienstagabend gab es keine Rückmeldung. Irgendwie hat man das Gefühl, dass die Stadtwerke ein wenig im Nebel tappen.
Der Ausblick auf die Zukunft
Ein Punkt, der nicht unerwähnt bleiben sollte: Einige Gemeinderäte sehen EnBW ODR nicht als Schuldigen für die Probleme. Sie betrachten den Partner vielmehr als verlässliche Stütze in schwierigen Zeiten. Der EAV bringt auch steuerliche Vorteile für die Stadtwerke mit sich, und EnBW ODR plant, die 651.000 Euro für drei Jahre als Kapitaleinlage bereitzustellen – insgesamt 1,95 Millionen Euro, allerdings unter bestimmten Bedingungen.
Das alles klingt nach einem ziemlich komplexen Geflecht aus finanziellen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Stadtwerke Schwäbisch Gmünd stehen also vor einer gewaltigen Herausforderung, die nicht nur die Stadt, sondern auch die Bürger betrifft. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird und ob die Stadtwerke aus dieser Krise gestärkt hervorgehen können. Die kommenden Monate könnten entscheidend sein – sowohl für die Stadtwerke als auch für die Bürger, die auf ein zuverlässiges Versorgungsunternehmen angewiesen sind.
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