In der kleinen Stadt Zistersdorf, die ja bekanntlich oft im Schatten ihrer größeren Nachbarn steht, gibt es derzeit eine spannende Diskussion um die Sonderschulen. Die Direktorin der Allgemeinen Sonderschule (ASO) dort, Nicole Drabek, schlägt Alarm: Die Schülerzahlen steigen kontinuierlich, während die Lehreranzahl stagnierend ist. Was bedeutet das für die Kinder, die auf spezielle pädagogische Unterstützung angewiesen sind? Lassen wir die Zahlen sprechen: In Niederösterreich benötigen von 119.000 Pflichtschülern etwa 6.000 sonderpädagogische Förderung, und die Hälfte davon wird in Sonderschulen unterrichtet. Das ist nicht wenig!
Einige Stimmen, wie die des Gänserndorfer Bürgermeisters René Lobner, fordern, die Inklusion zu stärken. Gleichzeitig sieht er aber auch die Notwendigkeit von Sonderschulen – eine Art Balanceakt, der nicht leicht zu meistern ist. Drabek bietet Quereinsteigern eine Art „learning by doing“ an, was heißt, dass sie anfangs Unterstützung durch ausgebildete Sonderpädagogen erhalten. Aber die Ausbildung zum Sonderpädagogen wurde bereits 2015 eingestellt. Da fragt man sich doch: Wie kann das gut gehen?
Die Realität in den Sonderschulen
Ein Beispiel aus dem Alltag: Gerhard Panagl, ein Vater, dessen Sohn eine Lernschwäche hat, erzählt von seinen Erfahrungen. Eine normale Volksschule wäre für seinen Sohn „katastrophal“ gewesen. In der Zisterdorfer Sonderschule hingegen fühlt sich sein Sohn gut betreut und macht Fortschritte. Das klingt erst einmal positiv, doch die Entscheidung, ob ein Kind in eine ASO gehen soll, liegt nicht mehr bei den Eltern. Juristen und Gutachten, die oft lange auf sich warten lassen, fällen diese Entscheidungen. Verwirrung pur!
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) hat sich klar gegen den Ausbau der Sonderschulen ausgesprochen und sieht das als einen Bruch mit den Werten der UNO-Konventionen. Dieses Thema bringt auch einen Hauch von politischem Zündstoff mit sich. Drabek fordert die Wiederherstellung der Sonderpädagogen-Ausbildung und lädt den Minister ein, die aktuelle Situation in ihrer Schule selbst zu erleben. Vielleicht sind die Einladungen nicht nur ein Zeichen von Entschlossenheit, sondern auch ein Hilferuf, der gehört werden sollte.
Ein Blick über die Grenze
Wenn wir einen Blick nach Deutschland werfen, wird das Bild etwas klarer. Dort wurde die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) bereits 2009 ratifiziert, die ein inklusives Bildungssystem fordert. Aber, oh Wunder, über 15 Jahre später besuchen immer noch 55,9% der Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf Förderschulen. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass die Exklusionsquote stagnieren könnte oder sogar ansteigt! Ein inklusives Bildungssystem sollte doch eigentlich alle Kinder, mit und ohne Behinderungen, in das allgemeine Bildungssystem integrieren.
Die Diskussion um Inklusion ist spannend – und manchmal auch frustrierend. Ein inklusives Schulsystem könnte nicht nur die soziale Teilhabe stärken, sondern auch die Belastung für viele Familien verringern. Doch wie sieht die Realität aus? Oft wird Inklusion als technische Herausforderung und nicht als gesellschaftlicher Prozess wahrgenommen. Und auch hier ist das pädagogische Personal häufig unterbesetzt, was die Situation nicht gerade verbessert.
Egal, wie man es dreht und wendet: Es gibt viel zu tun, um die Bildung für alle zu verbessern. Die Herausforderungen sind groß, aber vielleicht auch eine Chance, endlich den nötigen Wandel in den Schulen voranzubringen. In Zistersdorf und darüber hinaus. Man darf gespannt sein, wie sich die Dinge entwickeln.