Leerstehende Gebäude sind in vielen Gemeinden ein großes Problem. Sie stehen nicht nur leer, sondern bringen auch wirtschaftliche, soziale und ökologische Herausforderungen mit sich. Im Südlichen Weinviertel hat man nun das Ruder in die Hand genommen und ein neues Beratungsangebot ins Leben gerufen, das Eigentümern leerstehender Immobilien unter die Arme greifen soll. Das Projekt mit dem Namen „Leerstand – kost vü – bringt nix“ hat die zentrale Anlaufstelle „LeerstandsHilfe“ geschaffen. Judith Eder, die Initiatorin dieses Vorhabens, bietet eine kostenlose Erstberatung per Telefon oder E-Mail an, um den Eigentümern bei ihren Anliegen zu helfen.
Die Beratungen konzentrieren sich auf wichtige Themen wie Finanzierungsmöglichkeiten, Vermietung von Immobilien und Nutzungsmöglichkeiten bestehender Gebäude. Auch individuelle Fragen können besprochen werden. Ein Positionspapier zu „Leerstand und Baulandmobilisierung“ wurde bereits erarbeitet und dem Ministerium sowie Stephan Pernkopf, der die Initiative unterstützt, vorgestellt. Dies zeigt, dass die Thematik ernst genommen wird und es an der Zeit ist, aktiv zu werden.
Die Vorteile aktivierter Leerstände
Alexander Wimmer hebt hervor, dass ein aktivierter Leerstand nicht nur den Eigentümern, sondern auch den Gemeinden und dem Klimaschutz zugutekommt. Judith Eder sieht das Beratungsangebot als wertvolle Unterstützung für Eigentümer, die oft vor komplexen Entscheidungen stehen. Ein leerstehendes Einfamilienhaus verursacht jährliche Kosten von etwa 3.300 Euro, während die Vermietung desselben Hauses Einnahmen von rund 10.000 Euro pro Jahr ermöglichen kann. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Leerstand nicht nur ein Problem, sondern auch eine wirtschaftliche Chance darstellen kann.
Die Herausforderungen, die mit Leerständen verbunden sind, sind vielfältig. Sie können strukturell, spekulativ oder gebäudespezifisch sein. In Deutschland etwa betrug die Leerstandsquote Ende 2022 durchschnittlich 2,5%, wobei die Ostregionen mit 5,8% deutlich schlechter abschnitten als der Westen mit 1,9%. Kommunen setzen bereits Maßnahmen gegen absichtlichen Leerstand in Kraft, darunter Bußgelder oder Zwangsvermittlungen. Die Bundesregierung plant, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu schaffen, bleibt jedoch hinter ihrem Ziel zurück.
Finanzielle und rechtliche Aspekte von Leerstand
Leerstand hat nicht nur finanzielle, sondern auch rechtliche Konsequenzen. Vermieter müssen die laufenden Kosten leerstehender Wohnungen tragen und sind verpflichtet, den Leerstand ihrer Versicherung zu melden. In vielen Städten können hohe Bußgelder verhängt werden, wenn der Leerstand nicht gerechtfertigt ist. Die Möglichkeit, Treuhänder zur Verwaltung leerstehender Wohnungen einzusetzen, zeigt, wie ernst die Lage genommen wird. Auch Förderprogramme und Leerstandskataster kommen zum Einsatz, um dem Leerstand entgegenzuwirken.
Insgesamt ist es entscheidend, die bestehenden Gebäude nicht nur als Last, sondern als Chance zu betrachten. Die Initiative im Südlichen Weinviertel ist ein Schritt in die richtige Richtung und könnte als Modell für andere Regionen dienen. Es gilt, die ungenutzten Potenziale zu erkennen und zu aktivieren – für eine lebendige, nachhaltige und wirtschaftlich gesunde Zukunft.