In Gänserndorf brodelt es, und die Bürgerinnen und Bürger haben einiges zu sagen. Der Druck, der durch das knappe Budget auf den Gemeinden lastet, führt zu hitzigen Diskussionen über Gemeindezusammenlegungen. Doch nicht jeder ist begeistert von dieser Idee. Wolfgang Seidl, der Bürgermeister von Markgrafneusiedl, steht dem ganzen Vorhaben skeptisch gegenüber. „Die Leute in der Steiermark sind unzufrieden mit den Zusammenlegungen“, betont er und empfiehlt stattdessen, auf Gemeindekooperationen zu setzen. Mit Großhofen, Glinzendorf und Raasdorf hat man bereits gute Erfahrungen gemacht, besonders im Bereich der Schul- und Kindergartenverbände.

Die Feuerwehren, die jede für ihre Heimatgemeinde zuständig sind, sollen übrigens nicht zusammengelegt werden. Das ist ein Punkt, den Seidl und auch Sandro Kaufmann, der Bürgermeister von Spannberg, klarstellen. Kaufmann ist ein Befürworter von Gemeinschaften und einer intensiven Zusammenarbeit, besonders im Verrechnungssektor. „Einsparungen durch Zusammenlegungen sind kaum zu erwarten“, äußert er sich skeptisch. Das ist ein Thema, das vielen auf den Nägeln brennt, vor allem wenn man an die S-Bahn Wien denkt. Die wird nämlich aufgerüstet, was zu Sperren auf der Stammstrecke führt. Doch nach den Bauarbeiten dürfen sich Fahrgäste auf mehr Komfort und eine moderne Infrastruktur freuen.

Bürgerbeteiligung im Fokus

Gerade in Zeiten wie diesen ist die Bürgerbeteiligung ein heißes Eisen. Kommunen sind zentrale Orte der politischen Teilhabe und bieten zahlreiche Möglichkeiten, sich einzubringen. Bürger- und Einwohnerversammlungen, Sprechstunden oder die Möglichkeit, Bürgeranträge einzureichen – die Bandbreite ist groß. Doch wie gut diese Möglichkeiten genutzt werden, hängt oft von der Einwohnerzahl und dem Willen der Gemeindevertretung ab.

In Deutschland, besonders in Baden-Württemberg, zeigt man, wie Bürgerbeteiligung funktioniert. Hier haben 75% der Kommunen in den letzten fünf Jahren freiwillige Beteiligungsverfahren durchgeführt, um das Engagement der Bürger zu fördern. Dabei sind es nicht nur die üblichen Verdächtigen, die teilnehmen. Oft fühlen sich vor allem junge Familien, Menschen mit Migrationsgeschichte und andere unterrepräsentierte Gruppen ausgeschlossen. Das „unsichtbare Drittel“ – die, die das Vertrauen in die Politik verloren haben – zeigt, wie wichtig es ist, Hürden abzubauen.

Mit Leidenschaft zur Mitbestimmung

Die Qualität politischer Entscheidungsprozesse hängt stark von der politischen und sozialen Teilhabe ab. Wenn man die Menschen aktiv einbezieht, fördert das den sozialen Zusammenhalt und die Akzeptanz der Entscheidungen. Erfolgreiche Ansätze zur Überwindung von Hürden sind vielfältig: Die Einbeziehung von Stakeholdern bei der Planung, zielgruppenspezifische Maßnahmen oder niederschwellige Formate wie digitale Plattformen können Wunder wirken. Man könnte fast sagen, dass Bürgerbeteiligung eine Investition in die Zukunft der Demokratie ist – und das, wo die Kassen immer knapper werden. Die Bürgerinnen und Bürger haben die Chance, ihre Stimme zu erheben und aktiv mitzugestalten. Die Frage ist nur: Werden sie es tun?

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