In der malerischen Stadt Baden bei Wien, wo Tradition und Genuss Hand in Hand gehen, feiert die Bäckerei und Konditorei Annamühle ein ganz besonderes Jubiläum. Seit 1576 backt man hier mit viel Hingabe und Leidenschaft, und das in einem historischen Gebäude, das nicht nur die Zeit, sondern auch die Geschichte überstanden hat. Ehemals als Fleischerei, Tischlerei und Bürgerspital genutzt, trägt die Fassade der Annamühle noch die Spuren des Zweiten Weltkriegs in Form von Einschusslöchern und steht heute unter Denkmalschutz. Manfred Schneider, der Geschäftsführer, erzählt voller Stolz von der Entstehungsgeschichte dieser traditionsreichen Bäckerei.
Ursprünglich war es eine alte Dame, die das Brot backte, das die Menschen aus der Umgebung abholten. Die Familie Schneider pachtete die Bäckerei 1967 und benannte sie 1987 in „Backhaus Annamühle“ um – eine Hommage an die Mutter des Großvaters, die dem Namen „Anna“ den Weg ebnete. So konnte die Bäckerei die Zeit und zahlreiche Eigentümerwechsel überstehen und bleibt bis heute ein fester Bestandteil der Region.
Traditionelles Handwerk trifft moderne Technik
Obwohl die Bäckerei technische Anpassungen vorgenommen hat, bleibt die Verbindung zu den Menschen und der Region stark. Die Verwendung von Natursauerteig, der täglich frisch gebacken wird – auch an Sonn- und Feiertagen – ist ein Teil dieser Philosophie. Sauerteigbrot hat schließlich eine lange Geschichte, die über 5000 Jahre zurückreicht, als die alten Ägypter zufällig entdeckten, dass Teig, der über Nacht stehen gelassen wurde, durch natürliche Hefebakterien fermentierte und saftiger sowie bekömmlicher wurde. Diese jahrhundertealten Traditionen werden in der Annamühle mit Respekt und Hingabe gepflegt.
Die Innenausstattung der Bäckerei aus echtem Holz, Kalkstein und Granit trägt zur Erhaltung der historischen Substanz bei. Im Innenhof können Besucher eine „nostalgische Backstube“ besichtigen, die als Museum für alte Geräte dient. Hier verbinden sich historische Handwerkskunst und moderne Backtraditionen in perfekter Harmonie. Die Porträts der Eigentümerfamilien an den Wänden erzählen Geschichten von Generationen, die sich um das Brotbacken drehten.
Ein Hoch auf das Badener Kipferl
Das Beliebteste unter den Produkten der Annamühle ist ohne Zweifel das „Badener Kipferl“, ein goldbraun gebackenes Germkipferl, das nicht nur bei den Stammgästen hoch im Kurs steht. Diese Treue der Kunden ist das Fundament, auf dem die Bäckerei über die Jahrhunderte gewachsen ist. Das Rezept basiert auf dem jahrhundertealten Wissen um die Kunst des Sauerteigbackens, das in vielen Kulturen verwurzelt ist. Von Frankreich, wo „levain“ die Basis für Baguette bildet, bis nach San Francisco, wo das berühmte „San Francisco Sourdough“ für seinen kräftigen Geschmack bekannt ist, wird Sauerteig in der ganzen Welt gefeiert.
In den letzten Jahren hat Sauerteig ein Comeback erlebt, nicht zuletzt aufgrund der Pandemie, die vielen Menschen den „Sauerteig-Hype“ beschert hat. Das Handwerk des Brotbackens wird wieder geschätzt, und viele probieren sich selbst am heimischen Ofen. Diese Rückbesinnung auf das Ursprüngliche und die Vorliebe für regionale, nachhaltige Zutaten sind nicht nur Trends, sondern eine neue Wertschätzung für die Kultur des Backens.
Kulinarische Identität und persönliche Geschichten
Sauerteig ist mehr als nur ein Backtriebmittel. Er verbindet Generationen und kulturelle Traditionen über Jahrhunderte hinweg und transportiert persönliche Geschichten. Jeder Sauerteigstarter ist ein kleines Ökosystem aus Hefen und Bakterien, das gepflegt werden möchte. Mit Geduld und Hingabe entfaltet jeder Starter seinen individuellen Charakter und Aroma, was das Backen zu einem besonderen Erlebnis macht.
Die Annamühle in Baden hat es verstanden, die Kunst des Brotbackens zu bewahren und gleichzeitig innovative Wege zu gehen. In der heutigen schnelllebigen Zeit ist es gerade diese Verbindung zur Tradition, die sie zu einem unverzichtbaren Teil der Gemeinde macht. Ob für das tägliche Brot oder ein Stück süße Erinnerung – die Annamühle bleibt ein Ort, an dem Geschichte und Genuss in einem harmonischen Zusammenspiel lebendig werden.