Wenn Notare in den Ruhestand gehen: Ein Abschied und ein neuer Anfang in Wolfsberg
Am 30. Juni 2026 war es soweit: Der langjährige Notar Franz Stenitzer aus Wolfsberg hat seine Papiere eingepackt und sich in den Ruhestand verabschiedet. Ein Meilenstein, der nicht nur für ihn, sondern auch für seine Kanzlei bedeutende Veränderungen mit sich bringt. In wenigen Monaten wird Stenitzer 70 Jahre alt, hat eine Familie, die ihn mit zwei Kindern und einer bald vierjährigen Enkelin umgibt. Ein erfülltes Leben, das nun neue Wege gehen kann. Er plant, Golf zu spielen, Rennrad zu fahren und die wunderschönen Skitouren auf der Koralpe zu genießen. Doch bevor er sich ins Abenteuer Ruhestand stürzt, bleibt er in verschiedenen Gremien aktiv – er ist schließlich nicht nur ein Gesellschafter, der den Winterbetrieb auf der Koralpe gesichert hat, sondern auch ein Mann mit einem beeindruckenden beruflichen Erbe.
Sein Kanzlei-Partner Jan Horacek, 53 Jahre jung, hat am 1. Juli die Zügel übernommen. Die Kanzlei, die jetzt unter dem Namen „Notar Mag. Jan Horacek“ firmiert, hat sich einen Namen im Gesellschaftsrecht gemacht. Horacek, der seit 2002 mit Stenitzer zusammenarbeitet und 2016 Partner wurde, bringt frischen Wind in die Bamberger Straße 4. Er wurde Ende Januar als öffentlicher Notar angelobt und hat bereits das Vertrauen der Klienten gewonnen – immerhin arbeiten in der Kanzlei drei Juristen und fünf Sekretärinnen, die alle tatkräftig unterstützen. Unter den Mitarbeitern ist auch Lena Stenitzer, die Tochter des ehemaligen Notars, die seit 2016 als Notarsubstitutin tätig ist.
Eine Ära geht zu Ende
Stenitzer blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück, die 1982 im Notariat begann. 1994 wurde er Partner bei Notar Hans-Georg Kolmayr, und nach dessen Pensionierung im April 2002 trat er schließlich selbst in die Fußstapfen eines Notars. Ein „Megaauftrag“ für die Koralmbahn, der seit 2003 läuft und bis zur Inbetriebnahme Ende 2025 dauert, ist nur eines der zahlreichen Projekte, die er erfolgreich betreut hat. „Ich habe immer versucht, meinen Klienten die bestmögliche Unterstützung zu bieten“, sagt er mit einem Lächeln. Da ist das Herzblut spürbar, das er in seine Arbeit gesteckt hat.
Doch nicht nur Stenitzer hat den Wandel im Notariat erlebt. Auch die Digitalisierung hat Einzug gehalten. Dies wird nicht nur in Wolfsberg deutlich, sondern ist ein allgemeiner Trend, der auch in Deutschland spürbar ist. Ein Gesetzentwurf zur Digitalisierung des Vollzugs von Immobilienverträgen könnte bald eine neue Ära einläuten. Ziel ist es, Papierdokumente und Medienbrüche zu vermeiden – eine Neuerung, die sowohl Notare als auch Klienten entlasten soll. Sechs Sachverständige haben den Entwurf als überfällig erachtet und fordern eine Innovationsklausel für externe zertifizierte Softwaresysteme. Es ist ein Schritt in die Zukunft, der die Kommunikation zwischen Notarbüros, Gerichten und Behörden revolutionieren könnte.
Der digitale Wandel im Notariat
Die Bundesregierung plant, den gesamten Austausch zwischen Notaren und den beteiligten Stellen bis zum 1. Januar 2028 vollständig elektronisch abzuwickeln. Ein ehrgeiziges Ziel, das viele Vorteile verspricht – weniger Papier, mehr Effizienz, und die Vermeidung von mehrfachen Datenerhebungen. „Wir sprechen hier von über einer Million Kaufverträgen jährlich, die derzeit größtenteils in Papierform verarbeitet werden“, erklärt Dr. Markus Sikora, Präsident der Bundesnotarkammer. Und das ist nur der Anfang. Der Gesetzesentwurf sieht auch vor, dass Anzeigen, Anträge und Genehmigungen digital über das Elektronische Gerichts- und Verwaltungspostfach (EGVP) und das ELSTER-System für Finanzverwaltungen ausgetauscht werden.
Die Notare in Deutschland stehen also vor einer spannenden Zeit. Die schrittweise Einführung der digitalen Kommunikation soll sofort mit der elektronischen Übermittlung von Veräußerungsanzeigen an die Finanzverwaltung beginnen. Bis spätestens 2028 soll auch die Unbedenklichkeitsbescheinigung digitalisiert werden – ein echter Fortschritt für die Branche. Auch wenn es hier und da noch einige Fragen zur Umsetzung gibt, die von verschiedenen Institutionen kritisch betrachtet werden, bleibt die Richtung klar: Digitalisierung ist der Weg in die Zukunft. Und auch in Wolfsberg, wo Franz Stenitzer seine Karriere beendet hat, wird dieser Wandel spürbar sein. Die nächste Generation, angeführt von Jan Horacek, wird die neuen Möglichkeiten nutzen und das Erbe des langjährigen Notars weitertragen. Es bleibt spannend!
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