Am kommenden Wochenende wird Kärnten zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Kulturprojekts, das den Krieg in den Hintergrund drängt und stattdessen die Kunst ins Rampenlicht rückt. Unter dem Motto „Kunst statt Krieg“ veranstaltet die Kunst- & Kultur-Initiative Völkermarkt die interdisziplinäre Reihe „Missa Contra Bellum“. Über drei Tage hinweg verwandeln sich Kirchenräume in eindrucksvolle Bühnen, auf denen Musik, Literatur und bildende Kunst miteinander verschmelzen.
Die zentralen Aufführungen finden in der Stadtpfarrkirche St. Egid in Klagenfurt, der Stadtpfarrkirche St. Magdalena in Völkermarkt und der Basilika Maria Loreto in St. Andrä statt. Die Konzerte beginnen jeweils um 18.30 Uhr und setzen ein kraftvolles Zeichen für den Frieden. Im Mittelpunkt steht die „Paukenmesse“ von Joseph Haydn, ein Werk, das die Zuhörer in seinen Bann ziehen wird. Aber das ist noch lange nicht alles! Die Kirchen werden durch den Einsatz von Lautsprechern und sogar Drohnen zu immersiven Erlebniswelten umgestaltet, um die Kriegserfahrungen hörbar und spürbar zu machen.
Ein kreatives Miteinander
Besonders spannend wird die Kombination aus verschiedenen Kunstformen. Literarische Beiträge von renommierten Autor*innen wie Julia Cencig und Eugen Freund werden die musikalischen Darbietungen der Ensembles „Collegium Musicum St. Magdalena“ und „Vocale St. Magdalena“ unter der Leitung von Franz Josef Isak begleiten. Cencig wird Texte von Bertha von Suttner, Ingeborg Bachmann und Swetlana Alexijewitsch präsentieren – eine kraftvolle Erinnerung daran, dass Kunst auch in dunklen Zeiten eine Stimme hat.
Die bildende Kunst wird durch die Werke von Renate Pirker und Gudrun Zikulnig bereichert. Pirker’s Skulpturen thematisieren die Verletzlichkeit, während Zikulnig Installationen zu Angst und Hoffnung schaffen. Gemeinsam vermitteln sie die Botschaft: „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ – ein wichtiges Signal, das den Fokus auf die Frauen lenkt, die in Konflikten oft die Hauptbetroffenen sind.
Kreativität trifft Verantwortung
Seit dem 20. April haben viele Persönlichkeiten aus Kultur und Medien an der Social-Media-Challenge #KunstStattKrieg teilgenommen. Sie teilen Videos auf Instagram und Facebook, um die Botschaft weiter zu verbreiten. Auch Bischof Josef Marketz hat sich der Herausforderung gestellt. Die Einladung an Kärntner Schülerinnen und Schüler unter 16 Jahren zu kostenlosen Konzerten ist eine wunderbare Möglichkeit, junge Menschen für die Themen Frieden und Kunst zu sensibilisieren – die Diözese Gurk übernimmt die Ticketkosten.
In einem größeren Kontext betrachtet, wird die Rolle der Kunst in Kriegs- und Friedensfragen auch von Forschungsprojekten wie „Ästhetisierung von Kriegsgewalt“ und „Contemporary Art, Popular Culture and Peacebuilding in Eastern Europe“ untersucht. Eine Diskussion, die am 22. Januar stattfand, stellte zentrale Fragen zur Verantwortung von Kunstschaffenden und deren Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse. Kunst kann sowohl Konflikte polarisieren als auch transformierend wirken. Das zeigt sich besonders in Projekten wie „Missa Contra Bellum“, die den Weg zur Heilung bahnen können, indem sie zum Nachdenken anregen und den Dialog fördern.
So wird das Wochenende in Kärnten zu einem eindrucksvollen Erlebnis, das die Kraft der Kunst zeigt – als Waffe gegen den Krieg und als Lichtblick in dunklen Zeiten.