Am Pfingstmontag, einem Tag, der eigentlich für Freude und Gemeinschaft steht, ereignete sich beim Kufenstechen in Feistritz an der Gail ein Vorfall, der die Herzen der Zuschauer höher schlagen ließ – aber nicht aus den richtigen Gründen. Ein 39-jähriger Mann aus Nötsch, der seit fast 20 Jahren aktiv in diesem Brauchtum verwurzelt ist, fiel vom Pferd und geriet unter das 800 Kilo schwere Tier. Man kann sich das bildlich vorstellen: Die Aufregung, der Lärm, die Menge, die jubelt, und dann dieses plötzliche Unglück. Das muss ein Schock gewesen sein.
Als Halter des Pferdes begleitete der Mann die ersten Meter nach dem Start – eine verantwortungsvolle Aufgabe, die viel Geschick erfordert. Doch als zwei Pferde gleichzeitig in Bewegung setzten, verlor er die Kontrolle über sein Pferd. Der Versuch, die Geschwindigkeit zu drosseln, endete in einem schweren Unfall, bei dem er mehrmals gegen den Oberkörper getreten wurde. Die Rettungskräfte waren schnell zur Stelle und brachten ihn ins Krankenhaus, wo man ihn stabilisieren konnte. Glücklicherweise ist der Mann mittlerweile wieder zu Hause, auch wenn er noch mit Schmerzen zu kämpfen hat. Seine Leidenschaft für das Kufenstechen und das Reiten bleibt ungebrochen.
Die Bedeutung des Brauchtums
„Es ist wichtig, die Tradition zu bewahren“, sagt der 39-Jährige, der trotz seines Unfalls plant, weiterhin aktiv als Reiter und Halter am Kufenstechen teilzunehmen. Diese Brauchpflege ist nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern auch ein Erbe, das es zu schützen gilt. Die UNESCO hat diesem Brauchtum sogar einen Weltkulturerbe-Status verliehen – ein Zeichen dafür, wie wertvoll und einzigartig diese Tradition ist.
Kufenstechen, oder auf Slowenisch „štehvanje“, ist ein fester Bestandteil der Kultur im Kärntner Gailtal. Ursprünglich in den „Denkwürdigkeiten“ von Erzherzog Johann im Jahr 1804 erwähnt, hat sich dieser Reiterbrauch über die Jahrhunderte hinweg entwickelt. Der Ursprung ist unklar, aber es wird vermutet, dass er aus ritterlichen Spielen entstanden ist, die bis in die römische Zeit zurückverfolgt werden können.
Tradition und Moderne
Bei diesen Wettkämpfen reiten junge Männer in farbenfrohen Gailtaler Trachten auf ungesattelten Norikerpferden und schlagen mit Eisenkeulen, sogenannten Količ, auf ein Holzfass ein. Das klingt nach einem Spektakel! Nach dem Kufenstechen folgt der Lindentanz, ein weiteres Highlight, bei dem die „Gailtalerinnen“ in ihren prächtigen Trachten zum Tanz geleitet werden. Das Ganze findet für unverheiratete Paare an einem Sonntag nach dem Gottesdienst statt – eine wunderbare Gelegenheit, um Tradition und Geselligkeit zu verbinden.
Die Untergailtaler sind bekannt für ihren Mut und ihr kaufmännisches Geschick. Diese Eigenschaften haben nicht nur zur Erhaltung des Brauchs beigetragen, sondern auch zu einer lukrativen Einnahmequelle für die Region. Kufenstechen ist mehr als nur ein Sport; es ist ein Teil der Identität, der Gemeinschaft und der Freude. Und trotz der Risiken, die mit dieser Leidenschaft einhergehen, erkennt der 39-Jährige die Begeisterung der Jugendlichen für diesen Sport an. So schließt sich der Kreis: Ein Brauchtum, das lebt, trotz aller Herausforderungen.