In Spittal an der Drau wird gegenwärtig ein faszinierendes Kapitel der Kärntner Reformationsgeschichte lebendig: Die Täuferausstellung, die am 11. April 2026 im Pfarrsaal der Katholischen Kirche eröffnet wurde, zeigt eine wenig bekannte, aber spannende Seite der Täuferbewegung. Seit über zehn Jahren tourt diese einmalige Ausstellung durch Österreich und zieht zahlreiche Interessierte in ihren Bann. Kurator Franz Seiser vom Verein für Täufergeschichte stellt die Infotafeln und Exponate vor, die tief in die Geschichte der Täufer eintauchen.
Zu den gezeigten Exponaten zählen originale Schriftstücke, Folterwerkzeuge und eine nachgebaute Druckerpresse, die die dramatischen Umstände der Täuferbewegung veranschaulichen. Während der Eröffnungsfeier druckte Dechant Windbichler eigenhändig einen Bibelvers mit dieser historischen Presse, und die musikalische Umrahmung durch Alexander Basnar, ein Mitglied einer neuen Täufergemeinde, mit Dudelsack und Liedern von verfolgten Täuferchristen vor 500 Jahren, verlieh dem Event eine besondere Note. Die Grußworte thematisierten die Wichtigkeit von Verständigung und Versöhnung zwischen verschiedenen Konfessionen.
Ein Blick in die Geschichte der Täuferbewegung
Die Täuferbewegung hat ihre Wurzeln vor 500 Jahren in Zürich, als eine Gruppe von Menschen beschloss, die Nachfolge Jesu ernsthaft zu leben. Diese Täufer strebten nach einem intensiven Bibelstudium und wollten die ursprüngliche Gemeinde Jesu Christi wiederentdecken. Sie glaubten, dass die Kirche nur aus wahrhaft Gläubigen bestehen darf, was die Autorität des Stadtrates, der eine mildere Reform anstrebte, in Frage stellte. Trotz ihrer friedlichen Absichten wurden die Täufer verfolgt, gejagt und oft hingerichtet.
Die Täuferbewegung, die nach 1520 in den deutsch- und niederländischsprachigen Teilen Europas entstand, wird als Teil des linken Flügels der Reformation angesehen. Sie zeichnete sich durch die Ablehnung der Kindertaufe aus und forderte Glaubensfreiheit sowie eine Trennung von Kirche und Staat. Diese Prinzipien stehen bis heute im Mittelpunkt vieler täuferischer Gemeinschaften, darunter die Mennoniten, Amischen und Hutterer, die sich weltweit verbreitet haben.
Die Ausstellung in Spittal: Ein Ort der Begegnung und des Austauschs
Die Täuferausstellung im Pfarrsaal, Litzelhofenstraße 9, ist bis einschließlich 29. April 2026 für Besucher geöffnet. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Donnerstag von 12 bis 19 Uhr, Freitag und Samstag von 10 bis 20 Uhr sowie Sonntag von 12 bis 17 Uhr. Bei der Eröffnungsfeier waren etwa 40 Besucher anwesend, die angeregte Gespräche führten und sich über die Geschichte der Täufer austauschten.
Die Täuferbewegung hat nicht nur eine bewegte Geschichte hinterlassen, sondern prägt auch heute noch das Leben vieler Menschen. Die Ausstellung in Spittal bietet eine wertvolle Gelegenheit, mehr über diese oft missverstandene Glaubensgemeinschaft zu erfahren und die Spuren zu entdecken, die sie hinterlassen hat. Ein Besuch lohnt sich, um sich mit der Geschichte der Täufer und der Bedeutung von Glaubensfreiheit auseinanderzusetzen.